Dankesrede von Dipl. Päd. Heidi Fritz zum Sozialpreis 2015

Veröffentlicht am 28.10.2015 in Reden/Artikel

Übergabe des Sozial-Preises der SPD-Leonberg an den AK Asyl am Montag, 26. Oktober 2015, 18 Uhr im Eltinger Gemeindehaus

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitarbeitende unserer Flüchtlings- und Asylarbeit!

Gegen Kritik kann man sich wehren, gegenüber so viel Lob ist man machtlos.

Natürlich bin ich voll des Dankes, sehr geehrte Frau Ministerin, liebe Frau Öney: vielen Dank für die Worte, die Sie an unseren Arbeitskreis adressiert haben; für Ihre Worte, die Sie auch aus der politischen Perspektive und aus Ihrem Verantwortungsbereich in schwieriger Zeit an uns alle gerichtet haben. Natürlich danke ich auch im Namen unseres Arbeitskreises dem Leonberger SPD-Ortsverein dafür, dass er mit der Verleihung des Sozial-Preises gerade in dieser Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Flüchtlings- und Asylarbeit gerichtet, „fokussiert“ hat.

Das ist ja ein Thema, das uns tagtäglich nicht nur in den Medien nahegebracht wird, sondern das uns inzwischen ganz ordentlich unter die Haut geht. Natürlich ist es ein Thema, das uns alle angeht, angehen muss, das uns herausfordert, motiviert, bewegt, auch beunruhigt; es ist ein Thema, das uns und unsere Gesellschaft aber nicht spalten darf in Flüchtlings-Versteher und Flüchtlings-Helfer auf der einen Seite und auf der anderen Seite in Leute, die nur auf die Zahlen sehen, besorgt nach Belastungsgrenzen fragen und auf die Grenzen schauen, die uns vor den Schutzsuchenden schützen sollen. Und das ist bedauerlicherweise auch zu einem Thema geworden, das unter dem Deckmantel von Angst und Sorge zum demagogischen Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass geworden ist.

Unser Arbeitskreis besteht schon über 20 Jahre – zu den damaligen Mitbegründerinnen gehören z.B. auch Dorothee Röhm und Dr. Annelore Schmid, an die ich hier und heute gern und dankbar erinnern möchte. Und es sind nicht wenige aus unserem Arbeitskreis, die heute da sind und die sich in der Spur der „Gründerzeit“ unserer Asyl- und Flüchtlingsarbeit befinden und weitere, neue Spuren legen.

Ich danke, wir danken herzlich dafür, dass uns der diesjährige Sozial-Preis zuerkannt worden ist; damit wird das ausschließlich ehrenamtliche Engagement unserer Mitstreiterinnen und Mitstreiter anerkannt und bedankt – heute sind es nahezu 80 Bürgerinnen und Bürger, die partei-  konfessions-  und religionsübergreifend aus allen Teilen unserer städtischen Zivilgesellschaft kommen, mit unterschiedlichen Motivationen und Zielen, mit unterschiedlichen Zeit- und Kräfte-Budgets, die sie einbringen wollen. Und selbstverständlich danke ich dabei auch allen, die an dem entstandenen Netzwerk weiter knüpfen und die dieses Netzwerk auch im Hauptamt begleiten. Dazu gehören die Kindertagesstätten, die Schulen, unsere Familien-Bildungsstätte und die Volkshochschule, die Kirchengemeinden vor Ort genauso wie die Ämter in der Stadtverwaltung und im Landratsamt – und ich nenne hier stellvertretend für die professionellen Schlüsselpersonen Herrn Rein von der Stadtverwaltung. Dabei möchte ich auch namentlich erwähnen und nennen: Pfarrer Peter Hompa, der schon in seiner beruflich-aktiven Zeit und dann verstärkt in der ganzen Zeit seines „Ruhestandes“ unermüdlich als Beauftragter des evang. Kirchenbezirks für Asyl- und Flüchtlings-Angelegenheiten unterwegs ist und sich im Dschungel der Gesetze, Vorschriften und Verordnungen hervorragend auskennt und vielen Menschen schon beigestanden ist. Er muss dabei manche bürokratischen, finanziellen und juristischen Barrieren überwinden, die erschwerend aufgerichtet sind, wenn es z.B. gilt, Pässe in den Herkunftsländern zu beschaffen. (Peter Hompa entschuldigen)

Wir wollen als Arbeitskreis einen Beitrag leisten dafür, dass Voraussetzungen für Integration geschaffen werden, dass Integration und gesellschaftliche Teilhabe gelingen kann: Wenn wir in patenschaftsähnlicher Weise zu den Menschen und Familien unterwegs sind, Kontakte knüpfen, die Menschen begleiten und beraten, dann leisten wir auch Beziehungsarbeit z.B. bei Lernbegleitung oder bei niederschwelligen Deutschkursen, bei der Vermittlung von Angeboten des Sports oder der Musik, bei Begegnungen bei Festen und Ausflügen, bei der Suche nach Ausbildung und Arbeit und auch bei finanzieller Unterstützung in bestimmten Notlagen. So kann allseits gegenseitiges Vertrauen und auch individuelles Selbstvertrauen wachsen.

Was wir tun, ist im Grunde sehr kleinteilig, aber es ist immer bezogen ganz individuell auf einzelne Flüchtlings-Personen und konkrete Flüchtlings-Familien in ihren beengten Verhältnissen, in ihren familiären Zusammensetzungen und in ihren Herkunfts-Bedingungen. Man könnte versucht sein zu sagen: Das ist ja alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mag sein, aber wir lassen uns auch nicht entmutigen dadurch, dass der Stein immer größer und immer heißer wird. Unser Einsatz ist auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt. Dafür braucht es eine gehörige Portion Geduld und einen langen Atem, die gegenseitige Ermutigung und ein hohes Maß an Selbstmotivation – auch bei Enttäuschungen, wenn nicht alles gelingt oder machbar ist, was wir uns vorgenommen haben.

Dabei ist es jeweils ein kleiner Mosaikstein innerhalb des Bildes, das jetzt im Entstehen begriffen ist, innerhalb des Bildes einer zivilgesellschaftlichen Humanität, die wir ein Stück weit exemplarisch, vielleicht auch beispielgebend miteinander einüben und lernen wollen und die wir so dringend brauchen.

Dazu gehört auch, dass wir der Meinung sind, dass es nicht unnütz oder unnötig ist, auch Menschen und Familien zu begleiten, die vielleicht wieder zurück müssen in ihr Herkunftsland. Wer von Abschiebung bedroht ist, ist bei uns noch längst nicht abgeschrieben. Auch ihnen haben wir etwas zu geben, etwas mitzugeben – vor allem auch den Kindern, die vom Kindergarten-Alter an schon etwas mitbekommen von unseren Bildungswerten, von unserer inneren Haltung.

Wir treten nach wie vor dafür ein, dass auch bei den jetzt beschleunigten Verfahren das Recht auf Durchführung eines individuellen Asylverfahrens bestehen bleibt und ernst- und wahrgenommen wird. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass die Europäische Union endlich zu einer geteilten Verantwortung bereit ist und dass unsere sog. Wertegemeinschaft nicht in 28 nationale Egoismen zerfällt. Und unser Antrieb zu humanitärem Verhalten ist auch begleitet von der Empörung darüber, wie die Weltmächte, aber auch andere Staaten ihre Macht-Interessen auf Kosten und auf dem Rücken der Menschen austragen.

 Noch einmal und zum Schluss: Ich danke, wir danken herzlich für die Übergabe des diesjährigen Sozial-Preises an unseren Leonberger Arbeitskreis Asyl. Wir sehen darin eine große Anerkennung und Wertschätzung und eine Ermutigung für das Engagement und den Einsatz so vieler Menschen in unserer Stadt, ein Beitrag hoffentlich zu Humanität und sozialem Frieden.

Und ganz zum Schluss danke ich auch Alexander Nolte, der uns jetzt mit einem Musikstück erfreuen wird; er hat übrigens unserem Arbeitskreis angeboten, einer Gruppe von jugendlichen Flüchtlingen Gitarre-Unterricht zu geben.

Herzlichen Dank für Ihr Kommen und ihre freundliche Aufmerksamkeit!

 

Dipl. Päd. Heidi Fritz                                         Leonberg, 26.Oktober 2015

 
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